Das was vielerorts als „Renaissance der Sense“ bezeichnet wird, ist bei uns im Heimatverein eine seit Jahrzehnten gepflegte Tradition des alten Handwerks. An Fronleichnam war es wieder soweit, es wurde der 25. Mäh- und Dengelwettbewerb auf dem Heimathof ausgetragen.
Ein stark besetzter Wettkampf, 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz OWL waren unserer Einladung gefolgt. Denn es ging auf dem Heimathof traditionell um den Preis des Bürgermeisters, der ja auch gern als inoffizielle lippische Meisterschaft bezeichnet wird.
Pünktlich um 11.00 Uhr begrüßte unser Vorsitzende Helmut Depping, Bürgermeister Martin Hoffmann, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, das Jurorenteam, die „4 Harmony‘s“ und die zahlreichen interessierten Besucher. In seiner Begrüßung ließ er die Entwicklung und vor allem die Entstehung des Wettbewerbs noch einmal Revue passieren. Er berichtete, dass ein paar Männer um Erich Linnemann beim Feuerwehrfest die feucht / fröhliche Idee hatten, einen Mähwettbewerb für die Sense auszurichten, damit war der Grundstein gelegt. Die ersten Wettbewerbe fanden auf dem Hof Köster in Schuckenbaum statt. Alt-Bürgermeister und Ehrenvorsitzender Rudi Strunk holte dann den Wettbewerb einige Jahre später auf den Heimathof.
Neue und bekannte Gesichter, junge und junggebliebene Sensenleute waren gekommen. Unsere Lokalmatadore der Hafemann-Familie, angeführt vom Großvater Baldur waren in ganzer Stärke mit 5 Sensenleuten dabei. Carola Hafemann und Judith Elsner aus Lage hatten sich wieder erfolgreich in der Männerdomäne eingebracht.
Die „4 Harmony‘s“ stimmten die Amboss Polka an, den Takt nahmen die Wettkämpfer zum Dengeln der Sensenblätter auf. Die Zuschauer folgten gebannt den rhythmischen Klängen und Hammerschlägen der Wettkämpfer. Eine gute halbe Stunde dauerte das Dengeln und Wetzen der Sensenblätter, in dieser Zeit schauten die Juroren August Steinhage, Adolf Meier zu Döldissen und Franz Reimer genau auf den Rhythmus beim Dengeln und beurteilten dazu die Schärfe und Glätte des Sensenblattes.
Die Zuschauer hatten ihre Freude an dem fairen Wettkampf, wenn die „Alten“ den „Jungen“ zwischendurch immer wieder Tipps und Tricks weitergaben um zu einem besseren Dengelergebnis zu kommen. Das ist der Geist und das Geheimnis dieses Wettbewerbs, Fairness, Freude und Wertschätzung, was gerade die „Neuen“ Julian Heuking und Philipp Bewer sehr angesprochen hat.
Danach ging es auf die Streuobstwiese, hier hatten die Männer unserer Dienstagsgruppe die Wiese in kleine Wettbewerbsflächen aufgeteilt. Allerdings gab‘s am Vortag eine brisante Frage bei uns: „Sind noch Rehkitze in dem hohen Gras“? Helmut Depping fragte Dietmar Klee ob seine Drohne mit einer Wärmebildkamera ausgerüstet sei. War sie nicht, aber Dietmar wusste Rat und stellte den Kontakt zu „Save the Kitz“ her. Die ehrenamtlichen Helfer dieses Vereins stellen sich in den Dienst des Schutzes der Wildtiere. Wir waren begeistert, wie völlig unkompliziert und professionell das ging. Am Mittwochnachmittag wurden die Koordinaten übermittelt, am Donnerstag, früh um 6.00 Uhr war der Drohnenführer Vorort und um 7.00 Uhr gab‘s per WhatsApp grünes Licht, dass kein gefährdetes Wild gesichtet wurde.
So konnten sich die 16 Wettkämpfer unter den Augen der Juroren ganz auf die Disziplinen „Schnitt“, „Ausmähen“ und „Schwad“ konzentrieren. Das war richtig anstrengend, das Gras war hoch und hart und die Felder waren größer als in den Jahren zuvor, wie sie anmerkten. Aber geschafft haben sie es alle ganz bravourös, der eine oder andere Maulwurfshaufen wurde begradigt, aber es gab dennoch durchweg gute Leistungen.
Danach wurde Wartezeit der Auswertung mit einer Bratwurst, einem Brezel und einem kühlen Getränk überbrückt, dazu spielten die „4 Harmony’s“ flotte Lieder auf. Die Juroren hatten an diesem Tag keine leichte Aufgabe, aber auch sie haben souverän die einzelnen Leistungen beurteilt und bewertet.
Dann war es soweit, Sieger und Platzierte standen fest und Bürgermeister Martin Hoffmann konnte mit dem Vereinsvorsitzenden Helmut Depping zur Siegerehrung schreiten.
Es ist gute Tradition bei uns in Leopoldshöhe und entspricht dem Geist dieses Traditionswettbewerbs, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einem Präsent und einer Urkunde geehrt werden. Die drei Erstplatzierten werden dann zusätzlich geehrt. Auf den dritten Platz dengelte und mähte sich der Vorjahressieger Klaus Degelau aus Rödinghausen, Zweitplatzierter wurde wie im Vorjahr Jürgen Sonnenberg aus Detmold. Nachdem die Platzierten, der Dritte und der Zweite Sieger bekannt waren, kündigte Helmut Depping den Sieger und Gewinner des Preises des Bürgermeisters mit den Worten an: „Wer mehr als 70 Jahre die Sense schwingt…“ – und alle wussten Bescheid, der Senior und Lokalmatador Baldur Hafemann hat mit seinen 81 Jahren wieder einmal gezeigt, wie’s geht. Mit Baldur Hafemann hat dieser Jubiläums-Wettbewerb nicht nur einen würdigen Sieger, sondern vor allem ein Vorbild an Fairness, Empathie und Sportsgeist, der den Geist des Wettbewerbs verkörpert.

