Schafschur auf dem Heimathof

Schafschur auf dem Heimathof
3. Juni 2024

Das Wetter lud die Schafe nicht dazu ein, die dicke Wollen abzulegen. Aber Pia Völker hatte mit ihrer Herde wettertechnisch keine Nachsicht. Bereits vor Monaten hatte sie den Termin mit der Schafschererin Carolin Bünting abgestimmt, die kommt zwar  ganz aus der Nähe, aus Bad Salzuflen, aber sie ist weit gereist und ständig unterwegs, Australien, Neuseeland, Schottland und überall dort, wo es Schafherden gibt ist sie, seit sie 2010 ihr Faible fürs Schafscheren entdeckt hat. 2017 war sie bei der deutschen Junioren-Meisterschaft im Schafscheren dabei und 2019 als die Weltmeisterschaft im Schafscheren in Frankreich stattfand, war sie erstmals am Start. An der Weltmeisterschaft 2023 in Schottland nahm sie natürlich auch teil und schaffte es bis ins Halbfinale. Ein toller Erfolg für die junge Bad Salzuflerin!

Die Schafe von unserer Hobby-Schafhalterin Pia Völker werden also nicht von irgendwem geschoren. Carolin und Pia kennen sich schon viele Jahre und in jedem Jahr, wenn die Schafschur von Pia’s Herde auf dem Heimathof ansteht, greift die professionelle Schafschererin Carolin Bünting zur Schere oder zur Schermaschine. Schafscherer ist kein Lehrberuf, es werden Seminare angeboten, in denen man das Scheren lernen kann. In Deutschland gibt es überwiegend nebenberufliche Schafscherer und Schafschererinnen.

Pia Völker hat die Schafschur gut vorbereitet und sich mit Sabine Kolbe und Jennifer Cronshage tatkräftige Unterstützung geholt.

Pia und Jennifer holen die Schafe aus dem Unterstand und bringen sie zu Carolin Bünting zum Scherplatz, die greift jedes Schaf bei den Hörnern und dreht es in eine Sitzstellung. Es sieht aus, als würde das Schaf auf dem Boden sitzen. Dann beginnt das Scheren, erst die Bauchwolle, dann der Schwanz, anschließend das dichte Fell an den Seiten. Carolin Bünting führt die geschorenen Schafe zum Tor an der großen Wiese, das Pia Völker öffnet und die Schafe trippeln ein wenig fröstelnd auf die Wiese, wo sie mit lebhaftem Blöken der schon geschorenen Schafe empfangen werden. Derweil ordnet Sabine Kolbe die geschorene Wolle. Von jedem Schaf wird die Wolle individuell geordnet ausgebreitet, ein Zettel mit dem Namen des Schafes kommt darauf. Anschließend wird die Wolle ordentlich zusammengefaltet und verpackt.

Wie in jedem Jahr haben sich wieder einige Interessierte  auf der Wiese eingefunden, um beim Scheren zuzusehen. Einen Sonnenbrand bekommen die Schafe an diesem Tage wahrlich nicht, „die nackigen Jungs bibbern ganz schön“, meint Pia mit einem Augenzwinkern beim Anblick der geschorenen Böcke.

Die verschmutzte Wolle und das Bauchfell nehmen Detlev Tamm und Ernst Oberhoff als Dünger für die Hochbeete auf dem Heimathof. Sie sind die Gärtner in der Dienstagsgruppe in unserem  Heimatverein.

 

© Heimatverein Leopoldshöhe 2020